Über die Studie
Worum geht’s?
Die Suchtforschung hat in den vergangenen Jahrzehnten große Fortschritte gemacht. Allerdings profitieren nicht alle Bevölkerungsgruppen gleichermaßen von den Behandlungsangeboten. Es gibt Aspekte, die bislang von der Forschung nicht gesehen oder vernachlässigt wurden. Um den Fokus stärker auf Themen zu lenken, die für Betroffene und Behandelnde am bedeutendsten sind, wurde INSPIRE ins Leben gerufen.
INSPIRE ist eine Forschungs-Partnerschaft des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit (ZI) in Mannheim zusammen mit der James Lind Alliance (JLA). Ziel ist es, offene Forschungsfragen im Bereich Sucht und Geschlecht zu sammeln, auf vorhandene Evidenz zu prüfen und gemeinsam zu priorisieren. Auf diese Weise soll eine Top-10-Liste der wichtigsten Forschungsfragen zu Sucht und Geschlecht entwickelt werden, aus der sich ein klarer Auftrag an Forschung und Versorgung ergibt.
Mitmachen
Sie selbst oder jemand in ihrem Umfeld ist von einer Abhängigkeitserkrankung betroffen?
Sie behandeln, beraten oder unterstützen Personen mit Abhängigkeitserkrankungen?
Machen Sie mit und bringen Sie sich ein. Ihre Sichtweise ist wichtig!
Die James Lind Alliance (JLA)
Die James Lind Alliance ist eine gemeinnützige, britische Initiative, die darauf abzielt, die Forschungsagenda im Gesundheitswesen stärker an den Bedürfnissen von Patientinnen und Patienten sowie deren Angehörigen auszurichten. Sie wurde 2004 in Großbritannien als non-profit Organisation gegründet, um sogenannte Priority Setting Partnership Projekte (PSP) durchzuführen. Die Initiative ermöglicht damit die gleichberechtigte Zusammenarbeit von Patient:innen, Angehörigen und Kliniker:innen, um Prioritäten für die Forschung zu identifizieren und zu vereinbaren.
Bildung von Priority Setting Partnerships
In einer PSP arbeiten die beteiligten Gruppen strukturiert zusammen, um offene Forschungsthemen zu identifizieren. Jede PSP besteht aus Patient:innen, Angehörigen sowie Fachpersonen und wird von einer Steuerungsgruppe geleitet, in der alle drei Gruppen repräsentiert sind. Die Steuerungsgruppe überwacht die Aktivitäten der PSP und ist für die Ergebnisse verantwortlich. Die Zusammenarbeit zwischen allen Beteiligten bei der Festlegung der Forschungsagenda ist von entscheidender Bedeutung, um Themen in die Aufmerksamkeit der Forschungsförderinstitutionen zu bringen, die andernfalls möglicherweise gar nicht vorgeschlagen oder priorisiert würden.
Ermittlung einer Top-10-Forschungsliste
Das Ziel der PSP ist es, die relevantesten offenen Forschungsgebiete der Forschungs- und Fördergemeinschaft zu verdeutlichen. Am Ende des Prozesses entsteht eine Top-10-Liste jener Forschungsfragen, die für Patient:innen, Angehörige und Behandelnde gleichermaßen am wichtigsten sind. Diese Liste soll Forschungseinrichtungen und -förderer darüber informieren, welche Themen in Zukunft bevorzugt werden sollten.
So läuft der mehrstufige PSP-Prozess ab:
- Die Steuerungsgruppe wird zusammengestellt. Alle Gruppen sollen repräsentiert sein.
- Eine erste Umfrage liefert mögliche Forschungsfragen.
- Die identifizierten Themen werden klassifiziert und ausformuliert.
- Es wird anhand der Forschungsliteratur geprüft, welche Fragen bereits wissenschaftlich beantwortet sind und diese werden ausgeschlossen.
- Eine zweite Umfrage liefert eine vorläufige Rangfolge (Interim-Priorisierung) der verbliebenen Forschungsfragen.
- Die Themen werden final durch die beteiligten Gruppen (Betroffene, Angehörige, Behandelnde/Kliniker:innen) priorisiert.
- Die Ergebnisse werden veröffentlicht und verbreitet.

